zur englischen Version One level up

Zum Menue: Erkenntnisse

Home

Home

Stavenow, ein Name aus der Prignitz.

Mut zur Lücke ! Oder: Warum die heute lebenden Stavenows
kein "von" vor dem Namen haben !


Fr. Budczies berichtet bereits 1887 in den märkischen Forschungen (Bd. XX, S. 242) darüber, daß es in der Mark Brandenburg mit Sicherheit zwei, vermutlich aber sogar drei adlige Familien des Namens Stavenow gegeben hat:

1.)


Die von Stavenow in der Prignitz. Sie nannten sich nach der Burg, die sie bewohnten. Diese Burg trug wohl den selben Namen, wie zuvor der slawische Festungswall aus der Zeit zwischen 800 und der Zeit der deutschen Besiedlung der Prignitz. Seine Spuren finden sich noch heute auf der Stavenower Feldmark.

Wer nachlesen will: Siehe "Historisches Ortslexikon, Teil I, Prignitz, von Lieselott Enders, S. 841.

Sie waren wohl als Vasallen der Edlen Gans von jenseits der Elbe aus der Altmark gekommen, zusammen mit den von Rohr, den von Königsmark, den von Möllendorf und anderen. Gemeinsamkeiten in den Wappen dieser Familien lassen auf Stammesgenossenschaft schließen. Auf den Verbleib der Familie wird weiter unten noch eingegangen.




2.)


Die von Stavenow in der Mittelmark. Sie lebten etwa 170 Jahre lang zu Wollenberg (früher Woldenberg) im Kreise Oberbarnim und wurden 1433 zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt. Für diese Familie läßt sich weder eine Stammesgemeinschaft noch eine Örtlichkeit nachweisen, die ihnen den Namen gab bzw. nach der sie sich nannten. Diese Familie starb um 1602 aus. Siehe auch den Hinweis beim Wappen Stavenow II.

Nach Budczies muß wegen der unterschiedlichen Wappen davon ausgegangen werden, daß es zwischen den prignitzer Stavenows und denen zu Wollenberg keinen genealogischen Zusammenhang gibt.




3.)


Mit Erscheinen der Ritter Peter von Stavenow und Gerhard von Stavenow in der Neumark Anfang des 14. Jahrhunderts scheint dort noch eine dritte Familie Stavenow auf ihrem Besitztum Blankenfelde ansäßig gewesen zu sein. Sie muß aber noch im Laufe des selben Jahrhunderts ausgestorben oder ausgewandert sein, da Blankenfelde zu dieser Zeit an die von Sydow fiel.
(Siehe Budczies S. 243.)

 

Zurück zur Geschichte der Prignitz.

zum Anfang

 

Doch zurück zu den von Stavenow und ihrer Burg in der Prignitz !

Der erste uns namentlich bekannte Besitzer der Burg Stavenow war Gerhard von Stavenow, der in einer Urkunde des Markgrafen Otto III am 9.6.1252 genannt wird. Sein Nachfahre, Heinrich von Stavenow, muß mit Fug und Recht als Raubritter bezeichnet werden. Zusammen mit anderen Rittern überfiel und beraubte er 1303 einen Kaufmann aus Anklam, und wurde dafür in Rostock inhaftiert.

Zwar nahm noch 1337 Markgraf Ludwig die beiden Brüder Henning und Johann (Jan) von Stavenow mit ihrer Burg in seinen Dienst, wobei er ihnen den zuvor durch Raub und Brand angerichteten Schaden verzieh - und dieser Vorgang wiederholte sich noch einmal im Jahre 1345 - aber selbst dann setzten sie ihre Räubereien fort.

1345 wurde zu Perleberg zwischen Graf Otto von Schwerin und dem Markgrafen Ludwig dem Römer vereinbart, daß ersterer das Haus Stavenow "brechen" sollte, bei freiem Abzug der Bewohner.

Zum Thema Raubritterei schrieb O.Vogel 1904 auf Seite 6 und 7 seiner Arbeit "Slawische Ortsnamen der Prignitz" folgendes:





Zitat:

Die Absicht des ersten Markgrafen, durch Zuzug zahlreicher kleiner Vasallen das Land in bessere Verteidigung zu setzen, hatte ein Weiteres, fast noch schlimmeres Übel zur Folge: Die Ritter sahen sich, als die Abwehr nach außen sie kaum noch in den Sattel rief, allmählich bei Seite geschoben und gegenüber dem bevorrechteten Herrenstand und dem schloßgesessenen Adel zu einer Adelsklasse zweiter Ordnung herabgedrückt. Nur des Waffenhandwerks gewöhnt, der stetigen Arbeit des Landbaus abhold, überdies meist stark verschuldet, fanden sie bei der Verworrenheit der politischen Lage, dem Fehlen jeder durchgreifenden Autorität und der allgemeinen Unsicherheit (.....) hinreichend Anreiz und Gelegenheit, auf Kosten anderer Roß und Speer in Übung zu halten und sich hinter Gräben und festen Mauern zu sichern. (.....) Bald beteiligte sich auch der übrige Adel an jener so einträglichen als bequemen Erwerbstätigkeit, so daß während der zweiten Hälfte des 14. und der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts nirgends in ganz Deutschland ein ärgeres Räuberunwesen hauste, als in der Prignitz.

Auspochen und niederbrennen von Dörfern, wegtreiben von Viehherden, Überfall und Mord war die öffentliche Tagesordnung. Mit Recht bemerkt Riedel, daß die vielen wüsten Feldmarken, die es in der Prignitz gibt, nicht sowohl, wie anderswo, vom 30jährigen Krieg herrühren, sondern schon viel früher wüst lagen und nur an die großen Zerstörungen zurückerinnern, womit die Ritterschaft und die Städte der Prignitz sich früher unter einander bekäpften.

Zitat

Ende.


zum Anfang

Einer der Versuche, dem Unwesen ein Ende zu bereiten, war der Zusammenschluß einiger norddeutscher Fürsten und Städte 1353 zum Lübecker Landfrieden. Im Frühjahr 1354 wurde Burg Stavenow von den Streitkräften des Landfriedens belagert ud etwa im Mai des selben Jahres eingenommen. Wer waren die Verteidiger? Die Herren von Stavenow ? Ziemlich sicher waren sie es nicht mehr. (Siehe oben, 1345). Ein Name ist jedoch in diesem Zusammenhang nicht bekannt.

Joachim Sack schreibt in seiner 1959 in der Reihe Mitteldeutsche Forschungen veröffentlichten Arbeit: "Die Herrschaft Stavenow" wörtlich:

Wir wissen nicht, wo die Familie (Stavenow) geblieben ist. Vielleicht haben Sie als Flüchtlinge die Mark verlassen oder haben ihren Namen abgelegt. Wahrscheinlicher ist es, daß sie auf einem ihrer häufigen Raubzüge oder bei den Kämpfen der folgenden Jahre um die Burg ums Leben gekommen sind.

Die von Stavenow in der Prignitz lassen sich mit Sicherheit durch Urkunden bis zum November 1349 beobachten. Zu diesem Zeitpunkt verschwindet das ritterliche Geschlecht von Stavenow für immer aus der Geschichte der Prignitz.

zurück zur Namenskunde.

Bereits im Juni 1353 urkundet ein Lehensmann des Herzogs von Mecklenburg auf der Burg Stavenow. Als Zeuge tritt dabei aber kein Stavenow auf, sondern ein Kristian Bosel (oder Bozel), dessen Familie in den folgenden etwa 50 Jahren Besitzer von Burg Stavenow war. Den Bosels folgten dann als Besitzer der Burg für eine längere Zeit die von Quitzows nach. Mindestens einer von Ihnen beteiligte sich häufig an den Räubereien, was 1438 für kurze Zeit sogar den Verlust von Stavenow für ihn bedeutete.

Nach 1472 erleidet die Familie von Quitzow einen katastrophalen Niedergang, der sich in zahlreichen Verkäufen und Verpfändungen von Ländereien zeigte. Diese wirtschaftliche Misere betraf jedoch nicht den gesamten Adel der Gegend, denn selbst die eigenen Verwandten, die Quitzows von der "Kletzkeschen Linie" konnten zum selben Zeitpunkt ihre Besitztümer noch erweitern.

Dieser zunehmende Abstand zwischen verarmendem und reicher werdendem Adel im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts war die Ausgangslage, wenn nicht sogar die Ursache für das Weiterbestehen des Namens Stavenow in der Prignitz ohne direkte, adlige Nachfahren.

Joachim Sack, er wurde als Experte bereits weiter oben zitiert, schreibt in einer Fußnote auf der Seite 10 seiner Arbeit zur "Herrschaft Stavenow":





Zitat:

Als bäuerlicher Name kommt "Stavenow" in der Prignitz noch häufiger vor. Vgl. das Personenstandsregister in Herold, S. 757. Da der Name nur in Orten vorkommt, in denen die von Quitzows Besitzungen hatten, liegt die Vermutung nahe, daß das Dorf Stavenow zu der Zeit wüst wurde, als es im Besitze der von Quitzows war. Die Bauern wurden von ihrer Herrschaft in deren anderen Dörfern angesetzt und behielten den Namen des Ortes bei, aus dem sie kamen.

Zitat

Ende.


(Lesen Sie bitte in diesem Zusammenhang den Artikel über die Namenskunde.)

Johannes Schultze bestätigt dies indirekt in seiner 1956 erschienenen Arbeit über die Geschichte der Prignitz. In seinem Verzeichnis der wüsten Siedlungen gibt er für das Wüstwerden des Dorfes Stavenow das Jahr 1496 an, also das Jahr, in dem die "Quitzows der Stavenower Linie"ausstarben.

Man muß also unterscheiden zwischen den adligen Stavenow in der Prignitz, die zwischen 1349 und 1353 von der Bühne der Geschichte verschwanden, der Familie von Stavenow, die etwa um 1602 im Oberbarnim abtrat sowie der dritten Familie, die in der Neumark siedelte auf der einen Seite, und den zahlreichen abhängigen Bauern, die auf die von Joachim Sack beschriebene Weise den Namen weitertrugen. Sie waren vermutlich der Ursprung für die heute lebenden Familien dieses Namens.

Für das Erscheinen des Namens an verschiedenen Orten, ja sogar in verschiedenen Gegenden gibt auch die Analyse des Namens aus sprachlicher Sicht eine Erklärung. Schauen Sie doch einfach mal rein !